Wie zuverlässig sind Corona-Schnelltests? | Wissen & Umwelt | DW | 30.11.2021

2021-12-01 08:29:49 By : Mr. Ethan Yin

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Täuschende Sicherheit: Bei der Prüfung der Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests scheiterte jeder fünfte Test – selbst bei hoher Virenbelastung. Hersteller dürfen ihre Tests weiterhin ungeprüft selbst zertifizieren.

Auch bei einem negativen Testergebnis kann man sich noch anstecken und somit andere anstecken

Im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus spielen Antigen-Schnelltests mittlerweile eine zentrale Rolle, nicht nur für Ungeimpfte, sondern zunehmend auch für zukünftig Geimpfte. Tests werden am Arbeitsplatz, im öffentlichen Leben oder im privaten Umfeld durchgeführt. Wenn 2G+ gilt, müssen auch Geimpfte und Genesene einen negativen Test vorweisen.

Viele vertrauen auf die Corona-Schnelltests, die seit Anfang 2021 auch für den privaten Gebrauch zugelassen sind: Denn Schnelltests helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen. Viele testen sich lieber, bevor sie ihre Verwandten in Alters- oder Pflegeheimen besuchen, bevor sie sich zu kleineren privaten Feiern treffen oder wenn die Weihnachtsbesuche der Familie bald anstehen.

Das so vermittelte Sicherheitsgefühl könnte sich jedoch als trügerisch erweisen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts, des Robert-Koch-Instituts und der Berliner Charité haben eine Vielzahl verfügbarer Antigen-Schnelltests genauer unter die Lupe genommen und rund 20 Prozent den Test nicht bestanden, weil sie selbst bei hoher Viruslast nicht funktionierten.

Die meisten Schnelltests helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen.

Laut der als Preprint veröffentlichten Studie erfüllten 26 der 122 untersuchten Schnelltests nicht einmal die Mindestanforderungen: eine Sensitivität von 75 Prozent.

Das bedeutet, dass Antigen-Schnelltests in mindestens 75 Prozent der Fälle funktionieren müssen, wenn die Probe eine definierte Virusmenge enthält. Der Ct-Wert bestimmt, wie hoch diese Virusmenge ist. Dieser Ct-Wert gibt an, wie oft eine Probe im Labor vervielfältigt werden muss, bis in ihr das SARS-CoV-2-Genom nachgewiesen werden kann.

Je niedriger der Wert, desto höher die Viruslast. Liegt der Ct-Wert bei 25 oder darunter, ist die Viruslast sehr hoch, sprich: die Person ist sehr ansteckend. Liegt der Wert zwischen 25 und 30, ist die Viruslast hoch, liegt er zwischen 30 und 36, ist die Viruslast moderat.

War die Viruslast sehr hoch, waren rund 80 Prozent der getesteten Schnelltests wirksam. Und 60 Prozent entdeckten sogar alle hochinfektiösen Proben. Aber jeder fünfte Test schlug fehl.

Ob Schnelltest oder PCR-Test – bei beiden Verfahren werden Sekrete aus den Atemwegen gesammelt, beispielsweise aus einem Abstrich aus Nase und/oder Rachen.

Die Schnelltests suchen dann in diesen Sekreten nach Antigenen, also nach bestimmten Proteinen in der Virushülle. Enthält die Probe jedoch nur wenige Viren, beispielsweise weil die Person erst ganz am Anfang oder am Ende der Infektion steht oder weil sie vor der Probenahme viel getrunken hat, dann sind diese Schnelltests nicht sehr zuverlässig. Fällt ein Schnelltest positiv aus, sollte daher sofort ein deutlich zuverlässigerer PCR-Test folgen.

Bei einem PCR-Test wird mit einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) im Labor nach dem Erbgut des SARS-CoV-2 gesucht, und schon geringe Virusmengen reichen für ein positives Testergebnis aus.

PCR-Tests brauchen Zeit, weil sie nur im Labor durchgeführt werden können, sind aber viel zuverlässiger

Die Antwort mag überraschen: Hersteller dürfen ihre Antigen-Schnelltests weiterhin ohne externe Qualitätsprüfung auf den Markt bringen und die erforderliche CE-Konformitätserklärung selbst ausstellen. Diese CE-Erklärung besagt, dass ein Produkt die grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen erfüllt.

Auf Seiten des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts heißt es: Nach der aktuellen EU-Richtlinie für In-vitro-Diagnostika (IVD), die aktuell die Marktzulassung für IVDs in Europa regelt, können Hersteller die COVID-19-Tests als „Low-risk“ IVD" noch selbst zertifizieren und verzichten auf eine unabhängige Überprüfung der Tests, bevor sie in Verkehr gebracht werden. "  

Die Hersteller bescheinigen daher, dass ihre Tests die Antigene zuverlässig identifizieren. Eine unhaltbare Situation, die sich erst ab Mai 2022 ändern wird, schreibt das PEI: „Dann müssen laut IVD-Verordnung ein EU-Referenzlabor und eine Benannte Stelle für deren Zertifizierung hinzugezogen werden, da die COVID-19-Tests von der höchste Risikoklasse Dies erfordert künftig eine Laboruntersuchung der Tests und eine unabhängige Überprüfung der Daten.“

Erst im Mai 2022 müssen also alle Corona-Tests eine externe Qualitätskontrolle, zum Beispiel durch den TÜV, durchlaufen.

Mit Erscheinen der neuen Omikron-Variante sind regelmäßige und umfangreiche Tests dringend erforderlich

Nein! Antigen-Schnelltests bleiben sinnvoll und helfen, die Pandemie einzudämmen, da sie Infektionen oft sehr schnell erkennen und so Infektionsketten frühzeitig unterbrechen. Vor allem, wenn jemand eine hohe Virenlast hat, also sehr ansteckend ist, schlagen sie Alarm.

Aber auch bei einem negativen Testergebnis können Sie sich noch anstecken und damit andere anstecken. Sie sind bereits zwei Tage vor Auftreten der ersten Symptome ansteckend. Dann oder wenn Sie beispielsweise einen beschwerdefreien Verlauf haben, funktionieren die Schnelltests manchmal nicht richtig.

Daher sollte man sich nicht zu sehr auf die Ergebnisse verlassen und sich auch nicht in falscher Sicherheit wiegen lassen.

Ein Mann trauert auf einem Friedhof in Bonn um seine verstorbene Frau. Sie ist eine von mehr als 100.000 Menschen in Deutschland, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind. Die Häufigkeit der täglichen COVID-Todesfälle ist zuletzt wieder stark angestiegen. Während es am 1. Oktober noch 66 waren, hat das RKI seit dem 21. November im Sieben-Tage-Durchschnitt mehr als 200 Todesfälle gemeldet.

Särge stehen vor dem Einäscherungsofen eines Krematoriums. Ein Bestattungsunternehmen hat mit Kreide "Corona" auf einen Sargdeckel geschrieben - als Warnung für Mitarbeiter. Noch immer sterben vor allem ungeimpfte ältere Menschen an der Pandemie. Aber auch die Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu.

Eine Altenpflegerin testet eine Bewohnerin eines Altersheims am Stadtrand von Berlin. In den vergangenen Wochen kam es in Alten- und Pflegeheimen zu mehreren Corona-Ausbrüchen, bei denen Bewohner ums Leben kamen. Auch deshalb ist die Debatte um die Impfpflicht in Gesundheitsberufen in vollem Gange. In Italien, Frankreich und Griechenland gibt es sie bereits, Österreich will in Kürze nachziehen.

Selbsttests in Kitas und Schulen – sind für Kinder längst Routine. Keine andere Bevölkerungsgruppe wird so regelmäßig und flächendeckend auf Corona getestet. Dabei ist die Inzidenz der Fünf- bis Vierzehnjährigen bis zu dreimal so hoch wie bei allen Deutschen. Auch deshalb hoffen viele Eltern, dass ein Corona-Impfstoff für Kinder zugelassen wird. Die EMA will Ende der Woche eine Entscheidung treffen.

Ein Facharzt betreut auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Leipzig einen COVID-19-Patienten. Die Zahl derjenigen, die mit COVID-19 behandelt werden, liegt noch immer unter den Höchstständen vom letzten Dezember. Aber das Klinikpersonal schlug Alarm. In Sachsen stehen offenbar einige Kliniken vor einer Triage: Sie können nicht alle Patienten vollständig behandeln.

Ein Corona-Patient sitzt mit Zugang und Beatmung auf der Intensivstation des Städtischen Klinikums Dresden. Die Hospitalisierungsrate ist als Maßstab für Maßnahmen umstritten. Es deckt den Infektionsprozess mit einer Verzögerung ab. Zudem sind viele COVID-Patienten jünger als in den Wellen zuvor. Ihre intensivmedizinische Behandlung dauert länger – und die Betten sind nicht so schnell frei.

Am Hamburger Hauptbahnhof drängeln sich Pendler und Reisende aneinander vorbei. In Zügen, Zügen und Bussen gilt 3G seit vergangener Woche – nur Geimpfte, Genesende oder Getestete dürfen es nutzen. Der Fahrer, die Schaffner und das Bordpersonal sollten überprüfen. Aber das ist nur stichprobenartig möglich. In jedem Fall gilt weiterhin die Maskenpflicht. Bei Nichtbeachtung drohen Bußgelder von bis zu 150 Euro.

Wer nicht unbedingt pendeln muss, sollte zu Hause bleiben. Erst Ende Juni ist die Homeoffice-Pflicht ausgelaufen, jetzt ist sie wieder da. Angesichts der stetig steigenden Fallzahlen hat der Abbau von Kontakten oberste Priorität. Wo immer es möglich ist, wird die Arbeit daher nach Hause verlagert – auf den Schreibtisch oder – wie hier – auf das Sofa.

Vielerorts in Deutschland öffnen die Weihnachtsmärkte derzeit wieder, wenn auch oft mit strengen Zutrittsregeln und einer begrenzten Besucherzahl, wie hier in Freiburg. Angesichts des extremen Vorkommens werden jedoch auch Weihnachtsmärkte abgesagt. Das Land Bayern hat alle Weihnachtsmärkte abgesagt. Dort gilt sogar: Gemeinden mit einer siebentägigen Inzidenz von über 1000 müssen in den Lockdown gehen.

Weil die Impfquote stagniert, will die Bundesregierung nun verstärkt auf niedrigschwellige Impfangebote wie Impf-Drive-Ins und mobile Impfteams setzen. Auch die dritte Impfung soll mit Hochdruck vorangetrieben werden, um Deutschlands Bevölkerung mit der Auffrischimpfung "winterfest" zu machen - wie der künftige Bundeskanzler Olaf Scholz sagte.

Angesichts der steigenden Zahl von Impfdurchbrüchen und des sinkenden Impfschutzes nach sechs Monaten erscheint dies auch bitter notwendig. Ansonsten hilft nur eins: konsequent testen! Nur einen Monat lang, vom 11. Oktober bis 11. November, waren Bürgertests kostenpflichtig, jetzt sind sie wieder kostenlos – unabhängig davon, ob Sie geimpft sind oder nicht.

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